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Wie das Jobcenter den Weser-Report finanziert
und dabei mit falschen Zahlen arbeitet

Am 29.6.11 veröffentlichte der Weser-Report auf der ersten Seite einen großen PR-Artikel über den neuen Jobcenter-Chef Helmut Westkamp.
Überschrift: "Der 500-Millionen-Euro-Mann".
Passender wäre allerdings gewesen: "Der 100-Tausend-Euro-Mann" In diesem Rahmen bewegt sich die Summe, die Herr Westkamp nämlich dem Weser-Report im Rahmen seiner Tätigkeit für das Jobcenter - übers Jahr gerechnet - für ganzseitige Propaganda-Anzeigen des Jobcenters zahlt. Und das seit Jahren.
Siehe auch Artikel "Wie die Bagis die Presse bezahlt".
Da wundert es nicht, wenn der WR-Journalist Ilja Mertens einfach nacherzählt, was Herr Westkamp ihm vorgibt, anstatt eigene Recherchen anzustellen.
Das "Fördern und Fordern", das der Jobcenter-Chef hier anführt, bekommt dabei eine völlig neue Bedeutung:
In diesem Fall fördert Herr Westkamp den Weser-Report jährlich mit einer hohen Summe. Was er dafür vom "Weser-Report" fordert, ist nicht bekannt.
Doch bekannt ist, daß, seitdem die Bremer Hartz IV-Behörde Großkunde des WR ist, die kritische Berichterstattung (die es tatsächlich mal gab) nicht mehr existent ist.

Westkamp erklärt in seiner Selbstdarstellung: " Schließlich arbeiten wir mit Steuergeldern, die von allen Beschäftigten aufgebracht werden". In der Tat: eben auch für solche PR-Anzeigen.
In diesen PR-Anzeigen betreibt das Jobcenter fast ausschließlich Selbstdarstellung, bringt dann noch ein paar Maßnahmen unter, damit es noch halbwegs zu einer Existenzberechtigung dieser teuren PR-Anzeigen reicht.

Besonders interessant ist die Schlußbehauptung von Herrn Westkamp (oder des Weser-Report?), daß 2010 knapp 10.000 Jobcenter-Kunden in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt wurden.
Dazu bitte auch lesen: "Weser-Report(er) im "Schlachthof"-Vorstand"

Die falschen Zahlen des Jobcenter-Chef

Laut offizieller Presse-Info der Bundesagentur für Arbeit 20/2011 v. 31.5.11 wird von einem Rückgang der Erwerbslosigkeit von 2010 nach 2011 um -4% gesprochen. Das sind 1557 Erwerbslose weniger. Quelle: http://www.arbeitsagentur.de/nn_29330/Dienststellen/RD-NSB/RD-NSB/A01-Allgemein-Info/Presse/2011/2011-AMB-HB-Mail-2011.html
Im Artikel wird aber behauptet es seien 10.000 Erwerbslose 2010 durch das Jobcenter in Arbeit vermittelt worden.
2009 laut Arbeitsagentur 28.963 ALG II-Empfänger
2010 laut Arbeitsagentur 29.887 ALG II-Empfänge
(Quelle: http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Statistische-Analysen/Analytikreports/Regionale-Analytikreports/Bremen/Generische-Publikationen/Arbeitslose-Rechtskreisevergleich/201011-Arbeitslose-Rechtskreisevergleich.pdf)
2011 laut Jobcenterchef Westkamp 28.400
Also kann die Zahl von 10.000 vermittelten Erwerbslosen auch nicht ansatzweise stimmen.
(In Wirklichkeit sind diese Erwerbslosenzahlen weitaus höher, da nämlich nicht als Erwerbsloser zählt, wer z. b. Minijobber (aufgestockt mit ALG II) arbeitet. Kein anderes Bundesland hat übrigens eine so hohe Dichte an an Minijobbern wie Bremen.
Weiterhin sind bei diesen Zahlen nicht Erwerbslose enthalten, die in 1-euro-Jobs, Gründungszuschuss, Altersteilzeit oder Qualifizierungsmaßnahmen stecken. Ebensowenig werden Kurzarbeiter gezählt, obwohl sie - zum teil künstlich - mit Zahlungen der Arbeitsagentur im Job gehalten werden.

Und noch ein Wort zu den von Jobcenterchef Westkamp angesprochenen Qualifizierungsmaßnahmen:
80% Qualifizierte arbeiten im Niedriglohnsektor laut Studie UniDuisburg/Essen.
(Quelle: Deutschlandradio 31.7.10)


Dafür bekommt Herr Westkamp den Pinocchio-Award

Herr Westkamp ist übrigens familiär eng mit der SPD verbunden.
Weiterlesen "Der neue Jobcenter-Chef und seine SPD-Bürgermeisterehefrau"...