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Wie das Jobcenter einem 1-Euro-Jobber illegal
die ALG-Bezüge um 30% kürzen wollte

Ein Bericht eines erwerbslosen Betroffenen
über seine Erfahrungen im Bremer Geschichtenhaus

Von Possart (Pseudonym ) geschrieben am 10.11.13

"Am 13.7.2013 entschied ich mich nach drei Jahren Arbeitslosigkeit in einem Anfall tiefer Depression wider alle Vernunft, es noch einmal mit einem 1-€-Job zu versuchen. Ein Bekannter hatte mir erzählt, dass man im Bremer Geschichtenhaus zur Zeit Leute sucht.
Dazu muß ich bemerken, dass ich bereits von 2008 auf 2009 im Kulturbüro Bremen Nord als "InJobber" mehr oder weniger meine Zeit abgesessen hatte (weil es nichts zu tun gab) unter der Regie von "Her Majesty" Rita Frische sowie von 2009 auf 2010 in der SpielLandschaftStadt (vom ALZ Bremen Nord) eine 50+ Maßnahme absolviert hatte.
Ich bin studierter Germanist, war als Kommunikationsmanager, Technischer und Online-Redakteur, Konzeptioner, Pressereferent etc. in namhaften Elektronikkonzernen in Bremen und München in den 90ern und 2000em unterwegs und irgendwelchen Umstrukturierungsmaßnahmen zum Opfer gefallen. Das zur Vorgeschichte.
Also wandte ich mich an das Geschichtenhaus und ans Jobcenter HB-Nord. Im Geschichtenhaus waren Herr Ulrich Mickan und Frau Sarah Fruchtmann durchaus angetan von meinem bisherigen Werdegang und die "Dame vom Amt" ebenfalls - war sie mich doch damit erstmal los. Einer weniger in der Statistik.
Die Zuweisung vom Jobcenter (Frau Zahradka) lautete über allgemeine Verwaltungstätigkeiten (Kasse, Dienstplaneinteilungen, Botengänge etc).

Geschichtenhaus mutete teilweise sektenhaft an

Gesagt, getan, am 13.8.2013 fing ich an. Die ersten 2 Tage hatte ich noch nicht mal einen Sitzplatz, saß meistens vor der Tür mit den anderen und rauchte. Offizielle Arbeitszeit vo 09.00 - 15.30 Uhr. Morgens ging es unter professioneller Anleitung erstmal mit Körpertraining, sprich Yoga, Dehn- und Streckübungen, los bis 09.45 Uhr. Dann Rundgang durch die verschiedenen Stationen des Geschichtenhauses ( Der "Böttcher", die "Peststation", die "Fleute", das "Kaffehaus", Gesche Gottfried, Heini Holtenbeen, Fisch-Lucie etc. pp.). Bis zum Erbrechen mußte man immer wieder sich den selben Scheiß reinziehen. 10.30 Uhr dann Morgenrunde. Entweder Frau Fruchtmann oder Herr Mickan moderierten diese. Dabei kam es durchaus vor, dass ein gemeinsames "Guten Morgen miteinander" ein wenig zu leise ausfiel und dementsprechend oft wiederholt werden mußte. Das Ganze mutete teilweise fast sektenhaft an...

Zugemüllte Abstellkammer als Arbeitsplatz

Nach zwei Tagen hatte ich dann auch einen "Arbeitsplatz" (eine bessere zugemüllte Abstellkammer). Anweisung von Herrn Mickan war, mir als Profi doch mal die beiden Homepages (Freundeskreis Bremer Geschichtenhaus und BremerGeschichtenhaus.de) anzuschauen im Hinblick auf Optimierungsmöglichkeiten. Das tat ich dann auch und gab meine Kommentare dazu ab. Gleichzeitig hatte er aber auch noch einen Studenten daran gesetzt, der das ganze dann ins Netz hätte stellen sollen, allerdings zu einem mir nicht bekannten Honorarsatz.

Pressearbeit ohne Telefon

Dann wurde ich umgesetzt mit drei anderen, teilweise ehrenamtlichen Kollegen im 3. Stock und sollte laut Anweisung daran gehen, täglich Texte einzustellen zu den bekannten Bremer Originalen sowie Pressearbeit zu betreiben. Ein Telefon hatte ich allerdings nicht. Schwierig, Pressearbeit ohne Telefon...

Pressemitarbeiter sollte Kostüm tragen

Es ging dann so weiter, dass ich mich allmählich als Assistent von Herrn Mickan wiederfand; ich sollte mir jetzt neue Konzepte überlegen, wie man den Bekanntheitsgrad des Geschichtenhauses steigern könne.
Ein Kostüm zu tragen, wie man es mir allerdings einige Male nahegelegt hatte, weigerte ich mich.
Mir wurde es dann nach der erste Septemberwoche allmählich zu blöde, für 1,20 € den PR-Manager zu machen. Von den ursprünglich vorgesehenen Verwaltungsaufgaben, die ich mir für diesen Hungerlohn ja noch hätte eingehen lassen, war nie wieder die Rede.

Jobcenter wollte illegal ALG II um 30% kürzen

Meine Widerstände wurden ob dieser Praxis zunehmend größer. Da mich die Zustände gesundheitlich belasteten, meldete ich mich krank. Beim Jobcenter sagte ich Bescheid, dass ich da nicht mehr hingehe. Schließlich hatte ich mich freiwillig dafür gemeldet und meinte, auch freiwillig jederzeit bei Mißgefallen wieder aufhören zu können. Doch weit gefehlt. Auf einmal wurde mir damit gedroht, mir um 30 % meine Grundsicherung zu kürzen. Daraufhin bat ich um einen Termin mit der Vorgesetzten. Dazu erschien dann auch Herr Mickan. Mir wurde von beiden bedeutet, dass es doch für mich eine "Riesenchance" sei, als Referenz nach einem Stellensuche doch bestimmt helfen würde. Herr Mickan meinte noch, dass er ja einige Leute kennen würde, denen er mich dann empfehlen könne. Ich meinte dazu nur, dass ich nicht bereit sei, zu diesen Konditionen als PR-Manager und Online-Redakteur zu arbeiten. Man solle mir entweder einen neuen Vertrag geben mit einem anständigen Gehalt oder mich als freie Honorarkraft beschäftigen. Dafür sei kein Geld da, hieß es. Schließlich einigten wir uns darauf, dass wir die ganze Geschichte mit dem Geschichtenhaus im gegenseitigen Einvernehmen beenden.

Geschichtenhaus wollte 10,50 Euro zurückhaben

Es gab dann noch eine abschließende Posse um 10,50 €, die man von mir wiederhaben wollte, da ich ja für September 74€ für eine Fahrkarte erhalten hatte. Mir schuldete man allerdings noch 36,50 für die erste Septemberwoche. Ich überwies das Geld dann, dann kam es zurück und nach ein paar Tagen wurde es wieder mit Mahnandrohung gefordert. Worauf ich meinte, ob bei denen eigentlich die Linke noch weiß, was die Rechte tut und ob man sich nicht schäme, von einem ALG II Empfänger 10, 50€ zu fordern und dass ich das Ganze öffentlich machen würde. Vor ein paar Tagen erhielt ich die Nachricht, dass die BRAS (unter deren Ägide das Ganze läuft) dann doch auf diesen Betrag verzichtet.

Soviel zum Bremer Geschichtenhaus. Wie sagten die Bremer Stadtmusikanten: Lasst uns nach Bremen gehen - etwas besseres als den Tod finden wir überall...
Zu Herrn Mickan und Frau Fruchtmann bitte lesen: "Kann man Arbeitslose an der Körperhaltung erkennen? - Die üblen Äußerungen der "Bremer Geschichtenhaus"-Führungsetage" und "Ex-Pastor, Kneipenbesitzer, BRAS-Funktionär dann Hotelbesitzer auf Gomera"

Und wie der vom Ex-DKP-Funktionär Herbert Thomsen geführte "Bremer Erwerbslosenverband" (BEV) die 1-Euro-Jobs beim Geschichtenhaus als "Erholungspause" bezeichnet, dazu lesen: " Die Verbindungen von Erwerbslosenorganisationen mit Jobcenter, dem Staat und der Linkspartei - BEV: „Ein-Euro-Job“ ist Erholungspause" - BEV verteidigt BRAS"

Bundesrechnungshof: Arbeitsagentur-System ist krank und irre. Strafrechtliche Konsequenzen nötig. (Spiegel 26/13)