Propaganda zur
Eingangszone Jobcenter:
völlig daneben
(statt mittendrin)

In der letzten Oktoberwoche 2011 berichtet HBPublik unter dem nebenstehenden Artikel „Jobcenter noch besser zu erreichen?“ über die unhaltbaren Zustände im Jobcenter-Mitte.
Die Propagandamaschinerie des Jobcenters ließ nicht lange auf sich warten.
Im Weser-Report schaltete sie am 30.10. eine der üblichen tausende Euro teuren Anzeigen (dabei hätte der Medienkonzern Bremer Tageszeitung AG diese PR doch kostenlos veröffentlicht).
Unter dem Titel „Eingangszone im Jobcenter - Mittendrin statt nur daneben“ übernahm der Autor den Stil unseres Artikels, verdrehte nur ein bißchen die Worte und die Wahrheit:
„Dienstagmorgen 8:30 Uhr, Jobcenter Mitte. In der Eingangszone der Geschäftsstelle im Doventorsteinweg wird es ruhiger. Die ersten 25 Kundinnen und Kunden sind zufrieden, Ihr Anliegen aufgenommen, bearbeitet oder weitergeleitet....“ soweit die Propaganda des Jobcenters.
Kein Wort von horrenden Wartezeiten. Kein Wort, daß nur 2 Mitarbeiter für Massen von Erwerbslosen eingesetzt sind und es deswegen immer wieder zu tumultartigen Szenen kommt. Auch kein Wort, daß die Öffnungszeiten im Vergleich zu früher eingeschränkt wurden.
Stattdessen in der Anzeige die übliche Selbstdarstellung. Diesmal ein Foto von mehr oder weniger dicken Freunden und Freundinnen. Die grüne Sozialsenatorin Anja Stahmann die früher im „Naturfreundehaus Buchtstraße“ einen Staatsjob hatte, in schöner Eintracht mit SPD-Genosse Sieling, der anläßlich einer Demo vorm SPD-Parteibüro den Zwangscharakter der „In-Jobs“ leugnete. Und natürlich dabei Geschäftsführer des Jobcenters Westkamp, der mit einer SPD-Genossin verheiratet ist.
Fehlen darf in dem PR-Artikel selbstverständlich auch nicht die hervorragende Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche, größter Ausnutzer von Injobbern. Die Kirche, in der „grüne Politker jede Menge Führungspositionen haben.

Jobcenter verdreht sogar die Wahrheit bei Tenever-Abriss

Wie genau es das Jobcenter mit der Wahrheit nimmt, sieht man auch in dem Artikel „Einmal quer durch Bremen“ in der gleichen Propaganda-anzeige. Dort heißt es zum Staddteil Tenever: „...Dass heute nur noch 5 von 1400 Wohnungen in Tenever leer stehen, spricht für sich. Tenever ist inzwischen ein begehrtes Wohnviertel.“
Die Wahrheit ist: in den 70er Jahren wurde hier eine Großwohnsiedlung mit 15 Hochhäusern gebaut, doch die Wohnungen ließen sich nur schwer vermieten. Zeitweise standen über 50 % der Wohnungen leer. Deshalb wurde 2004 damit begonnen ein Drittel der Wohnblocks für teures Geld abzureißen, was 2009 abgeschlossen wurde.
Richtig übel wird einem bei der Bildunterschrift: "Was für ein Blick! Ralf Schumann von der Gewoba zeigt Heinrich Alt, was Tenever zu bieten hat"
Dazu den Spiegel-online Artikel 19.3.2007 durchlesen. Hier der Link: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-50910329.html
Dafür gibt es von uns den Medienpreis "Schwarzer Kanal" den unsere Mitglieder einsehen können.

Ausbildungsplätze:
Anstatt 700 nur 200.
Die Falschmeldungen der Bremer Arbeitsagentur
und Medien

Am 28.7.11 verbreitet Buten&Binnen-Reporterin Lena Döring die Falschmeldung der Arbeitsagentur, daß es 2011 angeblich 700 freie Ausbildungsplätze in Bremen gäbe. Am nächsten Tag plappert es der Weser-Kurier nach und 3 Tage später auch der Weser-Report .
Die B&B Reporterin griff dabei 3 Beispiele in Ihrem Beitrag heraus:
Einen Dachdecker, das Ingenieursunternehmen "Ferchau" und das Wachdienstunternehmen "WAKO"

Bremer Medien plappern Pressemitteilung der Arbeitsagentur nach

700 freie Ausbildungsplätze? Wie kommen solche Zahlen der Medien zustande? Antwort: indem sie einfach die Pressemitteilungen der Arbeitsagentur veröffentlichen (Arbeitsagentur Presse Info 061/2011 vom 28.07.2011).

Nur 200 Ausbildungsplätze
anstatt 700

Wir recherchierten: Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze auf der offiziellen Webseite der Arbeitsagentur für Bremen lag zu der Zeit genau bei 200. Keine Spur von 700 Plätzen. Erstaunlich dabei: Die Zahl der Auszubildenden die dort einen Ausbildungsplatz suchten lag ebenfalls genau bei 200. Welch Zufall!
Von wem hatte also Frau Döring diese Zahlen. Wir fragten im Vorfeld bei Frau Döring nach, erhielten aber keine Antwort von ihr.
Interessant bei den Beispielen der Frau Döring ist: Es gibt in ganz Bremen zwei freie Ausbildungsplätze für Dachdecker, aber 28 Ausbildungssuchende waren in der Jobbörse der Arbeitsagentur gemeldet.
Laut Jobbörse gibt es in Bremen nur eine einzige Stelle als Fachkraft für Schutz- u. Sicherheit (bei der Firma WAKO) Aber 62 Jugendliche suchen da einen Ausbildungsplatz.

Wie die Arbeitsagentur die Lehrstellenzahlen frisiert

Bezüglich der Wahrheitstreue der Arbeitsagentur bei Angaben von freien Lehrstellen bitte den STERN 3/09 lesen, wo über das Frisieren von Lehrstellenzahlen durch die Arbeitsagentur ausführlich berichtet wird.

B&B stellt zweifelhafte
Firma WAKO
als Beispiel heraus

Besonders interessant ist, daß gerade dieses Unternehmen WAKO als Beispiel hervorgehoben wurde. Wir fragten auch hier Frau Döring per Mail wieso sie gerade diese Firma als Beispiel für einen Ausbildungsbetrieb ausgewählt hat. Auch hier blieb sie eine Antwort schuldig.
Wir verleihen Frau Döring deswegen den Pinocchio-Award, den sich unsere Mitglieder ansehen können.
Ende 2015 bekommt WAKO den lukrativen Auftrag in Bremen Flüchtlingsheime zu bewachen. Übrigens bei WAKO Bremen arbeit(et)en ehemalige Bremer Polizisten.

WAKO beantragte Fördergelder der BA bei gleichzeitiger Beantragung von Massenentlassungen bei BA

Hier ein paar Hintergrundinformationen speziell zur Firma WAKO (Wachkommando Niedersachsen):
"Wachkommando Niedersachsen kündigt alle Bewachungsaufträge und über 100 Beschäftigte
(Wilhelmshaven, 16. September 2008)
Die Enttäuschung und der Frust ist riesengroß. „Wir hatten gehofft, durch unseren schmerzhaften Verzicht auf Lohn und auf Urlaubstage und auf Urlaubsgeld wenigstens unsere Arbeitsplätze dauerhaft sichern zu können,“ sagt ein Wachmann der Firma Wachkommando Niedersachsen GmbH, die jetzt sämtliche militärischen Wachaufträge sowie ihre über 100 Beschäftigten gekündigt hat. Kurios dabei ist, dass sich anscheinend ein anderes Unternehmen aus der gleichen WAKO-Gruppe, nämlich die WAKO Nord GmbH, anscheinend parallel dazu gleichzeitig um diese militärischen Wachaufträge beworben hat.

Die betroffenen Arbeitnehmer befürchten, dass ihr Arbeitsplatz nun wegfällt, weil der Geschäftsführer der WAKO-Gruppe, Peter Schmidt, möglicherweise durch Fördergelder der Agentur für Arbeit sowie möglicherweise durch weitere Einsparungen bei Stundenlöhnen, Urlaubstagen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld eine höhere Rendite aus den Bewachungsaufträgen herausholen möchte Die Wachmänner sind jedenfalls sauer.
Alles auf unsere Kosten und auf dem Rücken der kleinen Leute!“ schimpft ein Sicherheitsmitarbeiter, der aus Angst vor Repressalien nicht genannt werden möchte. Die Versprechungen der WAKO-Führung hatten sich in den letzten Tagen als „heiße Luft“ erwiesen. Wie sich jetzt herausstellte, hatte Geschäftsführer Peter Schmidt zu dem Zeitpunkt, als den Mitarbeitern noch massive Zugeständnisse abverlangt wurden und den Bewachern eine berufliche Zukunft versprochen wurde, bereits längst den Antrag auf Massenentlassung bei der Bundesagentur für Arbeit gestellt."
(Quelle: http://besondere-dienste.hessen.verdi.de/
branchen_im_fachbereich/wach-_und_sicherheit/informations-archiv/
19.09.08_-_wachkommando_niedersachsen
_kuendigt_
alle_bewachungsauftraege_und_ueber_
100_beschaeftigte

Für die WAKO-Niederlassung Bremen liegen HBpublik Aussagen von ehemaligen Beschäftigten vor, daß es z. B. in der Bremer Niederlassung von WAKO dubiose Beschäftigungspraktiken sowie Unregelmäßigkeiten bei Gehaltsabrechnungen gab.
Um so erstaunlicher, daß ein derartiges Unternehmen für die Bremer Polizei tätig sein darf, deren Gewerkschaft für die eigene Klientel alle nur erdenklichen Sozialleistungen in Anspruch nimmt.

Weser-Report:
ALG II-Empfänger sind der Bagis ausgeliefert

Am 12.7.2009 schreibt die WR-Journalistin Anette Kemp in einem Kommentar, dass die Arbeit der Bremer BAglS (heute Jobcenter) seit Jahren Anlass zur Kritik gibt. Sie schreibt weiter, dass dieJM's Dienstleister seien, die ihren Kunden helfen sollen, statt ihnen Steine in den Weg zu legen. Frau Kemp: "Wer Prüfgrenzen als Obergrenzen, beispielsweise bei der Übernahme von Heizkosten ansieht, hat ein Einstellungs- und kein Perspektivenproblem."
Dieser Kommentar war beim Weser-Report" eienr der letzten kritischen Stellungnahmen dieser Zeitung zu Methoden des Jobcenters. Danach kaufte das Jobcenter - zweimonatlich eine ganzseitige Seite Anzeige (alle 2 Moante ca. 16.000 Euro Werbeeinnahmen für den WR), um für sich selbst Propaganda zumachen im WR. Da war es vorbei mit jobcenterkritischen Artikeln.

TAZ deckt auf:
Was ein Aufstocker Beim Bremer Jobcenter erlebte

Unter dem Titel "Besser gar nicht arbeiten als Aufstocker zu sein" veröffentlichte die TAZ , die in Bremen, zumindest wenn es um ihre eigenen Leute geht, über die Zustände im Bremer Jobcenter schreibt (abgesehen von uns) am 20.7.11 die Erlebnisse eines sogenannten Aufstockers mit dem Bremer Jobcenter. Aufstocker sind Erwerbstätige, die - weil ihr Lohn nicht zum Leben reicht - ergänzende Sozialleistungen vom Jobcenter erhalten.
Weil der Bremer Jobcentersachbearbeiter einfach in Urlaub ging, ohne ihm vorher Geld zu überweisen, stand dieser Aufstocker ohne Geld da. Wer mehr darüber erfahren will bitte den TAZ-Artikel vom 20.07.2011 lesen "Besser gar nicht arbeiten"

Der neue Jobcenter-Chef und seine SPD-Bürgermeister-Ehefrau

Helmut Westkamp ab Feb 2011 neuer Chef des Jobcenters Bremen, Jurist, war vorher Geschäftsführer der Arbeitsagentur in Schwerin, wo er wohl für "blühende Landschaften" gesorgt hat. (Arbeitslosenquote ca. 13%).
Er ist verheiratet mit der Weseler SPD-Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Ulrike Westkamp war ebenfalls - wie ihr Mann - vorher bei der Arbeitsagentur tätig. Frau Westkamp hat noch nie in ihrem Leben außerhalb des Staates gearbeitet und 9 Jahre studiert.
Die Familie Westkamp ist wieder ein Beispiel wie gleich familienweise beim Staat gearbeitet wird.

Die Falschaussagen
des Jobcenter-Chefs

Es ist noch gar nicht lange her, da versprach der Jobcenter (früher Bagis) -Chef Thomas Schneider, der Service würde in Zukunft besser werden. Doch das Gegenteil ist der Fall!
War es bisher möglich sich in einem extra Büro den Eingang von Dokumente wie z.B. Einkommens-/Arbeitsbescheinigungen oder Fortzahlungsanträge ALG II quittieren zu lassen, ohne sich unnötigerweise eine Nummer zu ziehen und sich in die Schlange der Ratsuchenden einzureihen, was teilweise stundenlange Wartezeit bedeutet, wurde dieser Service seit kurzem gestrichen.
Soweit zum Wahrheitsgehalt der Aussagen eines Bremer Behördenleiters wie Herrn Schneider.

Täuscht 1-euro-Job-Nutznießer "Lagerhaus" bei Arbeitsmarktchancen?

In einem Interview des WK-Journalisten Bernd Schneider vom 18.4.11 mit dem Chef "Kulturzentrums Lagerhaus/AUCOP", das ca. 200 Erwerbslose als 1-Euro-Jobber unter anderem an Vereine vermittelt, erklärte Scheda, daß Erwerbslose nach 1-Euro-Jobs gute Chancen am Arbeitsmarkt hätten.
HBpublik fragte beim "Kulturzentrums Lagerhaus/AUCOP" nach und sprach mit dem Stellvertreter von Herrn Scheda, Herrn Brodersen.
Im Schneider-Interview fiel der Satz von Herrn Scheda: "Danach haben sie (die 1-euro-jobber, Anmrk. d. Redaktion) gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt".
Hbpublik fragte nach Nachweisen für diese Behauptung. Erst behauptete Herr Brodersen, es gäbe keine Statistiken über diese "guten Chancen". Kurze Zeit später dann, es gäbe doch Statistiken.
Frage : Wie sehen diese aus.
Er: Sie hätten nur Statistiken, soweit jedenfalls Rückmeldungen von denen kämen die eine Arbeitsstelle gefunden hätten (dazu zählen für ihn dabei auch 400,- Euro Jobs! )
Frage: Ist so etwas als Statistik zu bezeichnen, wenn doch nur von einigen und eben nicht von allen Rückmeldungen kommen?
Er: Das wäre allerdings keine richtige Statistik.
HBpublik las ihm einen Auszug aus dem Spiegel v. 1/11 vor. Dort wurde angeführt, daß die Bundesagentur für Arbeit herausfand, daß zuletzt nur noch 14,3 % der Ein-Euro-Jobber hinterher in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis unterkamen"
Er: Das würde nicht stimmen, sie hätten da andere Erfahrungen in ihrem Betreuungsumfeld
Frage: Wie kann er das wissen, wenn es doch nur manchmal Rückmeldungen gebe. Wie kann er sagen, daß die Statistik der Bundesanstalt für Arbeit nicht stimme, wenn es kein gesicherten Erkenntnisse bei ihnen gäbe?
Er dann plötzlich wieder: Wir haben Statistiken
Frage: Können Sie uns die zuschicken
Er: Das kann ich nicht - dann : Das werde ich nicht.
HBpublik: Sie weigern sich also diese uns gegenüber öffentlich zu machen
Er: Ja

HBpublik dankt Herrn Brodersen vom "Kulturzentrums Lagerhaus/AUCOP" für dieses äußerst aufschlußreiche Interview

Übrigens: Im Jahr 2014 arbeitet für das Kulturzentrum "Lagerhaus"/"Aucop" für das Projekt "Dance4lifve" , Boris Barloschky als Schul- und act4life-Koordinator Dieses Projekt wurde genauso von der EU mitbezahlt, wie seine vorherige Arbeitsstelle die BBV (Bremer Bootsbau Vegesack).. Er ist ein Bruder von Katja und Joachim Barloschky. beide waren im Staatsdienst (Sie Geschäftsführerin der BAGmbH und er Stadtteilmanager beim Amt für Soziale Dienste) und beide langjährige DKP-Funktionäre.

Jobcenter noch besser
zu erreichen?

Das sagt Jobcenter-Chef Westkamp am 10.9.11 im WK im Artikel "Jobcenter lagert Telefondienst aus"
Zur noch besseren Erreichbarkeit:
Es ist der 5.9.11. Im Empfangsbereich des "Jobcenters" Mitte befinden sich - zählt man die Nummer, die man ziehen muß - weit über Hundert Bürger - schon Morgens früh.
Bürger, denen der neue von Chef Westkamp so hochgelobte Telefonservice so gar nichts nützt, da sie z. B. sich einfach nur den Empfang von Schriftstücken quittieren lassen wollen (die gern mal bei dieser Behörden spurlos verschwinden, wenn man sie persönlich dort in den Briefkasten steckt) , oder kurz ein Sozialticket für die Kinder. Eigentlich eine Angelegenheit von 5 Minuten - wenn da nicht die Masse der Wartenden wäre, die sich hier unten konzentriert.
Nützen tut der Telefonservice Ihnen da gar nichts, weil dieser, wenn nicht gerade besetzt ist, lediglich Rückrufe verspricht. Rückrufe? Und wenn man mal nicht da ist?! (Die Jobcentermitarbeiter erklärten in der Vergangenheit, sie würden z. B. nicht auf Anrufbeantworter sprechen). Und wie kann man sich den Empfang eines Schriftstückes bei einem Callcenter quittieren lassen?
Zurück zur konkreten Situation im Empfangsbereich: Nachdem viele schon morgens früh kamen und stundenlang warteten, sitzen sie um 12.10 Uhr immer noch da. Über 70 Leute warten. Um 12.30 Uhr sind es wieder Hundert. (Übrigens schließt um 13.00 Uhr das "Jobcenter"). Doch trotz der hohen Zahl von Wartenden sind nur 2 von 3 Schalter besetzt.
Die wartenden Bürger werden immer ungehaltener. Viel warten schon Stunden. Stunden für eine Angelegenheit, die sich in fünf Minuten erledigen ließe, wie z. B. eben ein Stadtticket, oder die Quittierung des Einganges von Schriftstücken. Früher gab es zumindest einen extra Service für die schnelle Quittierung von Schriftstücken. Dieser wurde geschlossen. Danach behauptete der neue Jobcenterchef Westkamp, der Service würde besser werden und der Weser-Kurier, durch seinen Reporter Bernd Schneider (der heute Pressesprecher eben dieses Ressorts ist) veröffentlichte die Propaganda.
(Anmerkung: nachdem dieser Artikel von HBpublik veröffentlicht wurde, wurden der Schnellserviceschalter vorübergehend wieder besetzt).
Ganz früher, ja da gab es den mündigen Arbeitslosen, obwohl er da noch nicht mal "Kunde" hieß. Dieser konnte tatsächlich ganz allein und selbstständig - sozusagen freilaufend" in seine jeweils für ihn zuständige Abteilung gehen. Da gab es auch kaum Warteschlangen. Jedenfalls nicht Nr. 100 um 12.30 Uhr.
Zurück zum Zweier-Dreamteam an den Schaltern: Dort beobachtet man Teamleiterin R., die geschlagene 20 Min. tatenlos hinter Ihren Kollegen steht. Was macht Frau R.? Könnte sie nicht den verwaisten Schalter besetzen? Ach nein, sie ist ja Teamleiterin. Kontrolliert Sie Ihre Kollegen? Oder machen diese bei ihr gar eine Qualifizierung? Man versteht es nicht.
Wäre da nicht der freundliche Security-Mitarbeiter eines privaten Wachdienstes, der Erwerbslosen über die ein oder andere Angelegenheit Auskünfte gibt (obwohl es absolut nicht seine Aufgabe ist) wäre alles noch schlimmer.
Der Pressesprecher wird nachher sagen: "Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes haben natürlich die Aufgabe, Kundinnen und Kunden informatorisch zur Seite zu stehen, wenn diese es denn wünschen" Die Frage ist: bekommt er auch das Gehalt einer Jobcenterangestellte? Wahrscheinlich nicht, eher den Mindestlohn.
Blickt man in die Gesichter derer, die seit Stunden auf den harten Metallstühlen sitzten, sieht man eine Mischung zwischen Resignation und Angst. Besser nicht aufbegehren, es könnten einem ja Repressalien drohen.
Da, ein erleichterter Aufschrei! Was war passiert?! Eine wartende Bürgerin hatte vor lauter Langeweile angefangen im Pflanzengranulat der Gründekoration zu graben und findet... nein, nicht einen Totenschädel eines während der langen Wartezeit Verstorbenen, sondern eine Nummer, die ein anderer wegwarf, nachdem er den "Kampf" aufgegeben hatte. Eine Nummer, die sie um ca. 20 Plätze voranbrachte.
Es gibt Sie noch die kleinen Erfolgserlebnisse im Erwerbslosenalltag. Man muß nur arbeiten wollen - und wenn es zwischen den Grünpflanzen des Jobcenters ist. Es findet sich immer was (sagte schon die Ehefrau unseres SPD-EX-Ministers Clement (der heute beim Atomkonzern RWE im Vorstand ist - mit dem grünen Ex- Aussenminister Fischer zusammen).

Eine Wartende erzählt, daß es letzte Woche genauso voll war, gleich früh morgens. Am besten man bringt sich Schlafsäcke mit, meint sie. Ein anderer schimpft. " ich habe letzte Woche versucht per Telefon das Jobcenter zu erreichen. Immer besetzt. ich habe fünf Telefonnummern von Sachbearbeitern, keiner geht ran!"
Und über allem laufen auf einem überdimensionalen Flachbildschirm "Jobcenter"-Werbefilme - Allah, Gott (oder wem auch immer) sei Dank, ohne Ton. Dazu paßt unterm TV das "Schweigen der Lämmer" auf den harten Metallstühlen, für die ein paar Sitzauflagen den Bruchteil des Preises für das LCD-TV ausgemacht hätte.

Die Zustände im Jobcenter:
man müßte die Polizei rufen

Doch nicht alle sind Lämmer. Ein paar "Löwen" gibt es auch. Der eine, Typ a la Jerry Baskin (Nick Nolte im Golden Globe nominierten Film "Zoff in Beverley Hills") ist von der Warterei und unbefriedigenden Auskünften total genervt: "Stundenlang mußte ich warten und jetzt sagen die mir, daß ich heute kein Geld mehr bekomme", brüllt der "Löwe". Ein anderer - ebenfalls empört - ruft ihm zu: "da muß man die Polizei rufen, die Polizei muß kommen und dem ganzen hier ein Ende machen" "Nein", brüllt "Jerry Baskin" zurück "nicht die Polizei, die haut mir immer auf die Fresse". Die Lämmer wenden sich wieder betreten dem überdimensionalen Flachbildschirm zu. Wie gut daß es nichts zu verstehen gibt (auch nicht den Ton des TV).

HBpublik befragte gleich vor Ort den Pressesprecher des Jobcenters zu den Zuständen im Empfangsbereich. Die Antwort ist verblüffend: "Die Anzahl geöffneter Schalter steht in Relation zum Publikumsaufkommen und der jeweils aktuellen Personalausstattung." Da bleibt nicht nur der Flachbildschirm des "Jobcenters" sprachlos. Auch wir sind es. Zwei Schalter für mehr als Hundert Leute?. Die richtige Relation?!
Zurück im Empfangsbereich. Nach Vorsprache beim Pressesprecher ist nun doch plötzlich auch der dritte Schalter besetzt. Wurde kurzfristig neues Personal eingestellt?
Irgendwann (nach über 2,5 Stunden) bin auch ich dran. Es dürfen die geheiligten oberen Flure betreten werden - dort wo die Sachbearbeiter sitzen. Paradiesische Ruhe. Völlig leere Flure. Ungenutzte Stühle.

Es erinert an die DDR

Irgendwie erinnert das Ganze an das frühere DDR-Restaurantsystem: während im Restaurant selbst gähnende Leere herrschte, mußte man sich trotzdem anmelden und in einem Warteraum auf einen freien Tisch warten. Denn die volkseigenen Kellner sollten schließlich keinen Stress haben.
Ich warte wieder... ganz alleine. Die paradische Ruhe wird nur leicht gestört: durch erneut hämorrhoidenverursachende Stühle. An uns ziehen gutgelaunte von der Mittagspause kommende oder gehende "Jobcenter"-Mitarbeiter vorbei. Einer hat mit verträumtem Blick ein "Sportschipper"- Magazin in der Hand. (Ja man kann seine neue Yacht gar nicht früh genug bestellen).
Tja, es wird Zeit, daß mal wieder das Team vom Staatssender Buten&Binnen vorbeikommt. Dann sieht die Welt schon ganz anders aus. In deren Beiträgen gibt es im "Jobcenter" keine Hundert Wartenden. Stattdessen ein kaum frequentierter Empfangsbereich. Alle Stühle fast leer. Wie machen die das bloß?
Übrigens die "Bremer Medienmeile" (Dazu bitte lesen: "Investigativer Journalismus made in Bremen: das Image Bremens voranbringen"), hat beschlossen, als Ziel das Image Bremens zu verbessern. Man darf also auf weitere Beiträge mit leeren Wartezonen im "Jobcenter" hoffen.

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Bundesrechnungshof: Arbeitsagentur-System ist krank und irre. Strafrechtliche Konsequenzen nötig. (Spiegel 26/13)